Opfer

Anspruch auf Opferhilfe hat jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität beeinträchtigt worden ist.

Straftat als Voraussetzung

Voraussetzung für die Opfereigenschaft ist das Vorliegen einer Straftat. Beeinträchtigungen infolge von Verhaltensweisen, die zwar moralisch und ethisch verwerflich sind (z.B. Mobbing), jedoch nicht alle Merkmale eines Straftatbestandes erfüllen, begründen keine Opfereigenschaft.

Eine Straftat im Sinne des Opferhilfegesetzes liegt vor, wenn ein bestimmtes Verhalten gemäss dem Schweizerischen Strafgesetzbuch tatbestandsmässig und rechtswidrig ist. Nicht erforderlich ist, dass sich der Täter im Sinne des Strafgesetzbuches schuldhaft verhalten hat. Das Opfer hat deshalb auch Anspruch auf Opferhilfe, wenn der Täter z.B. wegen Geisteskrankheit zurechnungsunfähig ist und nicht bestraft werden kann.

Anspruch auf Opferhilfe bei Delikten gegen Leib und Leben, Sexual- und Freiheitsdelikten

Nicht alle Delikte führen zur Anwendung des Opferhilfegesetzes. Opferrechtlich relevant sind nur Straftaten, die eine unmittelbare Beeinträchtigung der körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität zur Folge haben. Mit anderen Worten: Nur Straftatbestände, die den Schutz der körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität bezwecken, begründen Opfereigenschaft. Nicht zur Anwendung gelangt das Opferhilfegesetz deshalb z.B. bei Vermögens- und Ehrverletzungsdelikten.

Das Opferhilfegesetz kommt namentlich bei folgenden Delikten zur Anwendung:

  • Körperverletzung, Tötung
  • Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexueller Ausbeutung
  • schwerer Drohung und Nötigung
  • Freiheitsberaubung, Geiselnahme
  • Verkehrsunfällen mit Verletzungs- oder Tötungsfolge

Die Opferstellung setzt eine tatsächliche Beeinträchtigung von einer gewissen Intensität voraus. Nur geringfügige Beeinträchtigungen der körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität begründen keine Opfereigenschaft. Bei Bagatelldelikten wie z.B. einer Tätlichkeit (Art. 126 Strafgesetzbuch), kommt das Opferhilfegesetz deshalb in der Regel nicht zur Anwendung.

Bei wiederholten körperlichen Übergriffen innerhalb von Beziehungen unter Erwachsenen (so genannte häusliche Gewalt) oder bei wiederholten Kindesmisshandlungen ist grundsätzlich von der Opfereigenschaft der betroffenen Person auszugehen, auch wenn die einzelnen Übergriffe als Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Strafgesetzbuch zu qualifizieren sind.