Nachweis der Straftat

Die Opferhilfe knüpft an das Vorliegen einer Straftat an. Wenn ein Strafverfahren durchgeführt wird, stellt die Kantonale Opferhilfestelle in der Regel auf das Ergebnis des Strafverfahrens ab.

Die Inanspruchnahme von Opferhilfe (Beratungshilfe und/oder finanzielle Hilfe) setzt aber nicht voraus, dass ein Strafverfahren durchgeführt wird. Dem Opfer soll eben gerade auch dann geholfen werden, wenn der Täter flüchtig ist oder nicht ermittelt werden kann.

Opferrechtliche Leistungen kommen auch dann in Frage, wenn das Opfer die Straftat nicht anzeigt. So kann gerade das Opfer eines Sexualdeliktes gute Gründe haben, auf eine Anzeige zu verzichten, da ein Strafverfahren auch eine erhebliche psychische Belastung für das Opfer bedeuten kann.


Wenn kein Strafverfahren durchgeführt wird, ermittelt die Kantonale Opferhilfe den Sachverhalt selbst. Es stellt sich die Frage nach dem Nachweis der Straftat bzw. der Opfereigenschaft. Je nach Art der Hilfe werden unterschiedliche Anforderungen an den Nachweis der Opfereigenschaft gestellt.

Für die Beratung durch eine Opferberatungsstelle und für die Übernahme der Kosten für Soforthilfe genügt es in der Regel, wenn eine Person ihre Opfereigenschaft glaubhaft macht.

Strengere Anforderungen gelten bei der Inanspruchnahme von Kostenbeiträgen für längerfristige Hilfe und Entschädigung und Genugtuung. So kommen Kostenbeiträge für längerfristige Hilfe dann in Frage, wenn eine Straftat mindestens wahrscheinlich ist. Es müssen mehr Argumente für das Vorliegen einer Straftat sprechen als dagegen.

Die Ausrichtung von Entschädigungs- und Genugtuungsleistungen setzt voraus, dass in einem konkreten Fall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer opferrechtlich relevanten Straftat ausgegangen werden kann. Die Wahrscheinlichkeit muss so hoch sein, dass für die Verwirklichung anderer Sachverhaltsversionen kein ernst zu nehmender Raum verbleibt.


Die Angaben des Opfers werden mittels Arztberichten, Akten der Sozialversicherungen etc. möglichst genau überprüft. Wo keine objektive Anhaltspunkte vorhanden sind, trägt aber letztlich das Opfer das Risiko, dass die Straftat nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden kann.