Schutzrechte

Die Schutzrechte sollen das Opfer vor besonders belastenden Eingriffen in die Persönlichkeit schützen. Da Opfer von Sexualdelikten sowie Kinder aus verschiedenen Gründen besonders schutzbedürftig sind, werden ihnen zum Teil besondere Rechte eingeräumt.

 

Zu den Schutzrechten gehören:

  • das Verbot der Veröffentlichung der Identität des Opfers ausserhalb des Verfahrens (Art. 74 Abs. 4 StPO)
  • das Recht auf Ausschluss der Öffentlichkeit bei der Gerichtsverhandlung unter bestimmten Voraussetzungen (Art. 70 Abs. 1 lit. a StPO)
  • das Recht auf Anonymität gegenüber der beschuldigten Person, wenn besondere Gründe vorliegen (Art. 150 StPO)
  • das Recht auf Vermeidung der Gegenüberstellung mit der beschuldigten Person, wenn das Opfer dies wünscht (Art. 152 Abs. 3 StPO)
  • die Möglichkeit, sich von einer Vertrauensperson an Befragungen durch die Polizei, Untersuchungsbehörde oder das Gericht begleiten zu lassen (Art. 70 Abs. 2 StPO, Art. 152 Abs. 2 StPO, Art. 149 Abs. 3 StPO)
  • das Recht, die Antwort auf Fragen zur Intimsphäre zu verweigern, wenn es sich um Opfer eines Sexualdelikts handelt (Art. 169 Abs. 4 StPO)
  • das Recht, von einer Person des gleichen Geschlechts befragt zu werden, wenn es sich um Opfer eines Sexualdelikts handelt (Art. 153 Abs. 1 StPO)
  • das Recht auf eine Übersetzung der Befragung durch eine Person des gleichen Geschlechts, wenn es sich um Opfer eines Sexualdelikts handelt und dies ohne Verzögerung des Verfahrens möglich ist (Art. 68 Abs. 4 StPO)

Für Kinder gelten besondere Regeln bei der Gegenüberstellung mit der beschuldigten Person oder bei der Einvernahme, sofern erkennbar ist, dass diese zu einer schweren psychischen Belastung führen könnte:

  • Eine Gegenüberstellung mit dem Beschuldigten muss von Amtes wegen - ohne dass das Opfer dies ausdrücklich beantragt - vermieden werden (Art. 154 Abs. 4 lit. a StPO)
  • Während der ganzen Dauer des Strafverfahrens dürfen in der Regel nur zwei Einvernahmen durchgeführt werden (Art. 154 Abs. 4 lit. b und c StPO)
  • Einvernahmen werden im Beisein einer Spezialistin von einer zu diesem Zweck ausgebildeten Ermittlungsbeamtin durchgeführt (Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO)

Als Kinder gelten Opfer, die im Zeitpunkt der Einvernahme oder Gegenüberstellung weniger als 18 Jahre alt sind